Mein 4. Jahr
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Huh! Drei Jahre sind vorbei und ich lebe immer noch! Aber mit meinem dritten Geburtstag hat sich bei mir alles geändert, denn jetzt bin ich groß und kein Baby mehr. Was so viel heißt wie:

Ich trage keine Windeln mehr!

Zur Freude meiner Familie, aber die haben nie verstanden, dass alles seinen richtigen Zeitpunkt braucht und ich fand, der erste Tag meines vierten Lebensjahres war genau der richtige Moment, um diese lästigen Dinger abzulegen. Sogar Nachts verweigere ich diese Verpackung mit einem klaren Satz:

"Aber nein, Mama, nur Babys tragen Windeln. Ich bin ja schon groß und kann auf die Toilette gehen."

Der skeptische Blick meiner Mutter verrät mir, dass sie mir das noch nicht ganz abgenommen hat, aber sie wird schon sehen. *grins*

Und ich habe es ihnen alle gezeigt, denn ich bin tatsächlich tagsüber und nachts windelfrei!!!! *strahl* Jaja, so schnell geht das. Überhaupt bin ich jetzt eine verantwortungsvolle, große Schwester, die der Mama auch mal hilft. Der Moritz ist ja mittlerweile auch nicht mehr so langweilig. Der kann ja schon mich anschauen und nach mir greifen. Dann lacht er und sabbern kann der, wie Gero - der sabbert auch immer so.

Moritz geht jetzt auch zum Schwimmen. Ich habe Mama genau gesagt, auf was sie aufpassen soll. Ich will nämlich nicht, dass der Moritz Wasser ins Gesicht bekommt. Das mag er nicht, dafür ist er noch zu klein. Ein Baby kann nämlich noch nicht tauchen.

Hatte ich Euch schon von Aprika erzählt? Da gibt es Löwen. Meine Löwen. Die sind ganz lieb. Die tun nix. Die machen Roar. Ganz laut. Und mein Tony lebt dort. Mein Tony heißt Jimmy. Ja und mein Tony ist ganz lieb, das ist auch schon ganz groß. Im Gegensatz zu hier, ist es da ganz warm und es regnet nicht. Da kann man auch immer Sandkasten spielen. Und es gibt dort eine Eisenbahn ohne Schienen. Meine Eisenbahn in Aprika braucht nämlich keine Schienen.

Mit Papa bete ich jetzt immer Abends. Ich bete zwei Gebete. Das eine mit den 14 Englein mag ich, weil auf der Seite im Buch so ein tolles Bett gezeigt wird. Und "Müde bin ich geh zu Ruh" kann ich auch schon beten. Beim Beten muss man die Hände falten, sonst funktioniert es nicht. Ich sage Papa auch immer, dass er das tun soll.

Mittlerweile habe ich schon ganz lange Haare. Mama macht mir dann immer zwei geflochtene Zöpfe oder einen Pferdeschwanz. Das Schweineschwänzchen mag ich aber am liebsten, das ist ein geflochtener Pferdeschwanz. Was meine Kleidung betrifft, habe ich konkrete Vorstellungen: Sie muss cool sein. Cool ist, was bedruckt ist. Ein T-Shirt, eine Hose und eine Cap sind cool. Ein Kleid, eine Bluse und ein Hut sind chic und hübsch. Das mag ich aber nicht. Ich mag nicht chic und hübsch sein!

Ich komme im September in den Kindergarten! Und zwar in die Pinguingruppe. Darauf versucht mich Mama, schon seit Wochen vorzubereiten. Sie hat einen Kalender gebastelt, der 40 Tage bis zu meinem Kindergarteneintritt rückwärts zählt. Jeden Tag gibt es eine kleine Aufgabe zu erledigen: entweder wir lesen etwas über Pinguine, malen ein Bild, üben Buchstaben, erzählen Geschichten oder reden über den Kindergarten. Das macht viel Spaß und ich habe Mama in der Zeit immer für mich ganz alleine. 

Ich muss zugeben, dass ich Mama zur Zeit gar nicht gerne teile. Sagen wir so: Mit Moritz mache ich das ja noch, weil er ist noch klein und er braucht ja auch noch Mamas Brust - wegen der Milch, aber mit anderen sehe ich das nicht so richtig ein. Ich weiß, dass das Mama ziemlich aufregt, wenn ich immer genau dann laut singe, wenn sie sich unterhalten will, aber ich kann nicht anders. Singen ist ja auch schön oder? Ich lache dann immer, aber merkwürdiger Weise findet Mama es gar nicht so lustig wie ich. Auf meine Mama muss ich auch aufpassen. Zum Beispiel, wenn wir Autofahren, sage ich ihr immer, dass sie schön langsam fahren soll, damit die Polizei nicht kommt. Sicher ist sicher und sie soll ja keinen Ärger bekommen, nicht wahr!?!  Außerdem versuche ich ihr zu helfen, wo ich nur kann. Ich ziehe mich nämlich schon ganz alleine an, während sie Moritz morgens fertig macht. Und mittlerweile klappt es auch schon viel besser mit den Schuhen: die Wahrscheinlichkeit, dass ich sie nicht falsch herum anziehe, wird immer kleiner. *grins* Gerne helfe ich ihr auch beim Staubwischen. Gestern habe ich die Uromi abgestaubt - mit viel Liebe und Hingabe. Wusstet ihr, dass meine Uromi wackelt? Ja, das macht sie, weil sie nämlich schon alt ist. Da wackelt sie immer "so". Meine Uromi ist lieb. Meine Omi auch. Die wackelt aber noch nicht.

Mit Mama und Papa habe ich mir Sternschnuppen angeschaut. Das war toll. Ich habe ihnen versprochen, dass ich, wenn ich groß bin - also so groß, dass ich bis zu den Sternen greifen kann -, dass ich ihnen dann einen Stern schenke. Den ersten schenke ich der Mama und den zweiten dem Papa und den dritten dem Moritz. Ja, das mache ich. Beim Sternenzählen ist mir einer verloren gegangen. Aber vielleicht ist er auch einfach nur vom Himmel gefallen oder ein Gespenst hat sich den geholt. Gespenster haben Angst im Dunklen. Jedenfalls hatte ich dann ziemlich viel zu tun, den verlorenen Stern wieder zu finden. Geht ja nicht, dass da oben am Himmel einer fehlt. Dann ist da ein schwarzes Loch und das sieht nicht schön aus. Die Sternschnuppen sind ganz gelb und machen so einen schnellen Strich am Himmel. Die sind so schnell, dass sie gleich wieder weg sind, wenn man sie erst einmal gesehen hat. Da muss man schon ziemlich schnell gucken, dass man die Striche sieht.

Mein Kindergartenanfang verlief klasse. Ich gehe da gerne hin und ich habe Mama auch schnell erklärt, dass ich solange bleiben will, wie die Vivi. Vivi... meine Freundin. Sie zieht mir die Schuhe aus und begrüßt mich morgens mit einem Küssen. Sie hat mich so lieb, dass meine Schwester sein will. Ohne Vivi läuft gar nichts im Kindergarten. *träum*

Mit Vivi ging es so lange gut, bis sie Moritz kennenlernte. Seitdem behauptet sie, sie hätte ihn abgekauft und er wäre jetzt ihr Bruder. Das kann ja wohl nicht wahr sein. "Moritz ist MEIN Bruder. Der gehört ihr überhaupt nicht. Vivi darf das nicht sagen!"

Vivi will nicht mehr meine Freundin sein. *heul* Sie sagt dauernd, dass Moritz jetzt ihr Bruder wäre. Hilft mir denn keiner? Ich bin morgens jetzt immer "empfindlich". Wenn Vivi nicht einsieht, dass Moritz mein Bruder ist, brauch sie mir auch nicht die Schuhe auszuziehen. Dann soll sie mich in Ruhe lassen. Warum will Vivi nicht mehr meine Freundin sein?

Mit Vivi hat es sich jetzt nach dem ersten Monat wieder eingependelt. Dazugekommen ist noch Celine und Samira. Wir vier sind die Girlsgroup der Pinguine zum Leidwesen unserer Betreuer. Ich bin die erste, die es geschafft hat in der Gruppe eine Mädchenclique aufzubauen. *stolz* Leider tanzen sie nicht alle nach meiner Nase, lieb habe ich sie trotzdem.

Gerne spiele ich in den Pausen auch mit Frederik, der ist ein Tiger. Und Sebastian zieht immer an den Haaren. "Das darf er nicht. Das ist nicht nett." Remy zieht nach Canada. "Er hat ein ganz dunkles Gesicht und helle Fingerspitzen." So... schau, da sind sind sie ganz weis.

An Babas Geburtstag war ich mit Omi und Baba im Kindertheater. Wir haben Jim Knopf geguckt und ich fand es ganz spannend. Nur vor Frau Mahlzahn hatte ich Angst. Die sitzt jetzt immer unter meinem Bett nachts und Papa muss die vertreiben.

Meine Lieblingssätze sind "Kann isch nät." und ich "Ich will einen Keks haben." Damit kann man Mama und Papa herrlich tyrannisieren. Ich verstehe nur nicht warum! Moritz kann doch auch nicht alles und bekommt Hilfe, wieso muss ich alles alleine machen? Ich bin doch auch noch ganz klein. Ich liebe es zum Beispiel nachts bei Papa vorbeizuschauen und mit ihm zu kuscheln. Ach ist das schön warm! Und meistens merkt er es auch gar nicht und lässt mich bei ihm bleiben. Bei Mama probiere ich es gar nicht, die würde mich sowieso sofort zurückschicken. Die rufe ich nur, wenn ich Durst habe.

Was den Kindergarten betrifft, so gehe ich gerne hin, allein mein Frühstücksritual fehlt mir. Bei Sesamstraße und einer Flasche Milch langsam aufwachen. Ach, war das schön - damals. *träum*

Ich bin ganz schön froh, dass Moritz jetzt endlich durchschläft. Dem sein Gemecker nachts war wirkliche Lärmbelästigung. Aber manchmal auch ganz schön, weil Mami dann auch nach mir geguckt hat und das tat gut.

Wir ziehen bald um. Meine größte Sorge ist, dass Mama meine Spielsachen nicht alle mitnimmt. Ich frage sie jeden Tag, ob sie auch meine Spielsachen einpacken wird. Ich sollte besser ein Auge darauf haben. So ganz sicher bin ich mir noch nicht, was das für mich bedeutet, aber ich weiß schon, wo mein Zimmer sein wird. Und Moritz? Wo kommt der hin?

Nun, Ende Oktober habe ich dann erst einmal die Windpocken bekommen, wie ihr ja auch in den Neuigkeiten lesen konntet. Moritz habe ich sie dann gleich weitervererbt, so dass Mama in der Pack- und Umzugsphase immer ein Pöckchen dabei hatte. 

Nun als dann die Windpocken bei Moritz vorbei waren, waren wir auch endlich im neuen Haus. Ich war ja erst enttäuscht, dass ich kein gelbes Zimmer mehr habe, aber dann habe ich mir ein schickes Band mit Tieren ausgesucht, was in Pastelltönen nun unter Decke meine Wand schmückt. Ich habe auch den rosafarbenen Teppich von Mama geerbt. Ich mags, wenn auch ich nicht gerne in meinem Zimmer alleine schlafe. Ich vermisse Moritz, ich muss es zugeben. Und schlimm ist, dass er mich nicht vermisst. Er schläft immer ganz friedlich ein und ich plage mich mit der Dunkelheit ab. Dabei lassen Mama und Papa extra das Flurlicht an.... aber es ist trotzdem so still, dass ich gar nicht gerne in meinem Zimmer einschlafe.

Es gibt noch eine Anekdote aus dem Kindergarten von mir: Wir waren in der Bonifatiuskirche und weil ich mir den Namen nicht merken konnte, habe ich zu Mama gesagt: "Wir waren heute bei einem anderen Gott."

Dieses Jahr ist geprägt von unendlichen Schwierigkeiten. Jedenfalls kommt es mir so vor.
Zum einen fehlt mir Moritz in meinem Zimmer, ich finde Mama und Papa sollten ihn bei mir schlafen lassen. Blöd ist nur, dass mein Bruder sich anscheinend ohne mich ganz wohl fühlt - in der Nacht zu mindest. Zum zweiten finde ich es blöd ohne Moritz überhaupt irgendwo zu schlafen. Ich mag einfach nicht ohne meinen Bruder sein. Ich finde auch, dass Moritz nicht alleine bei Baba oder Omi schlafen sollte. Der ist doch dann ganz alleine und ich vermisse ihn sehr. Und ich will ihn nicht vermissen. Das mag ich nicht.
Dann möchte ich gerne, dass meine Freundinnen aus dem Kindergarten auch zu mir kommen. Ich liebe Besuch. Aber jedes Mal ist es so schwierig, weil sie wollen dann mit Moritzis Spielsachen spielen, das geht doch nicht. Die gehören doch meinen Bruder. Ja und das Teilen ist wirklich eine schwere Sache. Nicht das Teilen als solches, aber ich habe immer Angst, dass sie unsere Spielsachen mit nach Hause nehmen und das will ich nicht. Das Leben ist sooo schwer manchmal.
Schwer ist es auch, wenn Mama und Papa meinen, ich müsste mein Spielzimmer aufräumen. Sie haben da eine ganz gemeine Erpressung vorgenommen, dass sie all mein Spielzeug, was auf dem Boden liegt in Mülltüten packen und wegbringen, wenn  ich nicht den Boden aufräume. Aber ich weiß dann immer gar nicht, wie ich das machen soll. Es ist so viel, was da auf dem Boden liegt, so so so viel, dass man den Boden gar nicht mehr sieht! Wie soll ich das denn aufräumen, ich bin doch nur so klein! Und dann kommen sie mit der Mülltüte, das ist einfach so schrecklich....

Ich glaube einfach, dass man drei Jahren wirklich mal sagen sollte, dass das so nicht geht. Mama und Papa müssen doch auch mal lieb sein. Sonst muss ich immer zu weinen und ich mag weinen nicht, also sollten sie mit diesen ganzen Regeln aufhören, dann weine ich nicht und bin glücklich und alle sind zufrieden. --- "was? Der Boden? hm.. nein, das ist nicht so schlimm. Das machen wir morgen, nicht heute, morgen, denn morgen kommt nach heute. Heute spielen wir. Das mache ich gern."

Jetzt bin ich drei. Drei ist meine Lieblingszahl. Ich sehe die 3 an den Hauswänden und auf dem Taschenrechner. Ich nehme mir drei Gummibärchen und male sie, wie ein E. Ich bin drei Jahre alt. Bald werde ich 2 und 2. Im Übrigen 2 und 2 und 2 und 2 ist acht. Wusstet ihr das nicht? 

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Copyright © Kestenbaum, Stand: 13. Oktober 2009