Mein 2. Jahr
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Mein 2. Lebensjahr beginnt mit einer gemütlichen Geburtstagsfeier. Omi hat mir und Marlene ein Sandkasten-Rutschbahn-Häuschen geschenkt, was Onkel Michael, Tobi und Papa aufgebaut haben. Am meisten macht es mir Spaß, die Rutschbahn hinaufzuklettern und oben Mama und Papa zu zurufen. Hei, sind die immer aus dem Häuschen, wenn ich aus dem Häuschen schreie. *grins*

Sand ist gut für die Verdauung. Es kommt unten genauso raus, wie ich es oben hineingestopft habe. Deshalb esse ich davon gerne und viel. Meine Sandhaufenproduktion habe ich eben etwas wörtlicher genommen als andere.

Am 10. April bin ich soweit, dass ich das Stehen selbständig übe. Was leider dazu führt, dass ich das Gleichgewicht verliere und mich mit meiner Stirn versuche, an der Kiste abzufangen. Himmel hat das wehgetan. Es war ein Sonntag an dem ich das erste Mal die Notaufnahme unserer hiesigen Universitätsklinik besuchte. Nun ziert mich am Haaransatz eine 2 cm lange Narbe. Sie wurde genäht, was ich mit sehr viel Geduld hingenommen habe. Ich bin nämlich sehr tapfer was Spritzen betrifft. Solange man mich nicht am Kopf festhält, lasse ich fast alles mit mir machen. 

Nun der Sturz auf den Kopf hatte zur Folge, dass ich beschloss künftig jeden Abend mit meinen Eltern das Laufen zu üben. Dies tat ich dann auch bis zu Marlenes Geburtstag. Es ist daher nicht so ganz belegt, ab wann ich nun genau zweibeinig unterwegs war. Da ich auf Etappen das Laufen gelernt habe. Erst 2, dann drei.. dann fünf und irgendwann konnte ich zwar Laufen, tat es aber nicht, bzw. zeigte es nur, wenn mich so richtig sauer war. Dann rannte ich motzmeckernd durchs Zimmer, ohne dass ich dabei bemerkte, dass ich zu Fuß unterwegs war. Bemerkte ich es, ließ ich mich auch prompt fallen.

Es war auf alle Fälle Mitte Mai, wo ich ganz und gar auf die Krabbeltechnik verzichtete und eine neue Platzwundenära einleitete. Am 21. Mai durchtrennte ich mir das Lippenbändchen, was weniger schlimm war als es aussah. Blöder Weise wackelte danach auch ein Zahn und ich bekam Schnullerverbot, was ich hinnahm, aber am ersten Abend mit einer blutigen Wange quittierte, denn auf irgendetwas musste ich doch nuckeln.
Und am 27. Mai folgte dann die zweite Platzwunde an der typischen Helma Bansemer Braue. Wie bereits festgestellt, diese Narbe liegt einfach in der Familie. Nun sehe ich richtig verwegen aus. Meine Mama ist nun wirklich froh, dass die ersten Laufwochen vorbei sind und meine Art der Stürze sich wieder blaue Flecken reduziert hat. 

Nun warten meine Eltern auf meine ersten Worte. Dabei habe ich schon Auto, Meins, Nein, Ja, Papa und Mama gesagt. Ach ja und die Pa/Pe ist die Lampe. Denn Lampen finde ich absolut toll. Dennoch, so richtig bewusst funktioniert das alles noch nicht, aber diskutieren kann man auch ohne große Worte. Ein guter Tipp: Einfach Losmeckern, es muss nicht verständlich sein, aber es hilft ungemein!

Im Übrigen ist es ein Trugschluss, dass Jungs größer sind als Mädchen. Ich bin zeitlich gesehen genauso groß wie Marlene, nur - ha! - habe ich eine viel bessere Figur, denn ich bin immer schlank. Ok, nur bei der Geburt, schlug ich sie um Länge und Breite. *murmel* Heute, 4. Juli 2005 bin ich 79cm groß.

Mit dem Reden habe ich es ja nicht so. Wobei, das stimmt ja nicht. Ich rede eigentlich ständig. Tatsächlich, rede ich manchmal mehr als meine Schwester, aber.. nun... eben nicht so wie Mama und Papa und Marlene. Ich rede eben in meiner Sprache, wobei wenn man mir genau zuhören würde, würde man mich auch verstehen. Manchmal sage oder wiederhole ich nämlich Worte wie: Guten [Morgen], Bitte, Dange, Hier, [Marl-] Ene, Wasser, Ja, Nein, Auto, Müde..

Aber irgendwie ist das mit dem Reden bei mir anders als bei Marlene, sagen meine Eltern. Marlene sprach, als sie sprach sofort deutliche, klare und aktiv eingesetzte Worte. Genauso lief sie, als sie anfing zu laufen, gleich richtig und hat nicht wochenlang geübt, wie ich. Nun... ich gehe halt über den Singsang der Sprache an das Lernen von Worten. Daher habe ich nicht alle Buchstaben parat, aber man versteht mich trotzdem.

Es ist August und es gibt erste deutliche Konversationen:

Ich schleife Mama bis zum Türchen, öffne es und sage: "Runter"

Mama: "Du willst runter?"

Ich: "JA!"

In der Küche angekommen, zeige ich auf den Kühlschrank und sage: "Hier!"

Mama: "Du willst eine Milch?"

Ich: "JA!

Und dann freue ich mich und klatsche in die Hände, weil sie mich ENDLICH verstanden hat.

Es ist September und Zeit neue Dinge zu lernen, wie das Sicherheitstürchen zu öffnen, was Tobi extra für Mama und Papa geschreinert hat. Ich liebe es, mit Papa Auto zu fahren und überhaupt sind Fahrzeuge meine Leidenschaft. Deshalb ist auch das große Fahrzeugbuch mein absoluter Favorit. Es ist zwar schwer, aber ich trage es trotzdem überall mit mir mit. 

Ich liebe die Teletubbies und bin immer ganz hin und weg, wenn ich sie mal zufällig im Fernsehen sehen darf. Es hat mich viel Überredungskunst gekostet, Papa zu erklären, was ich will. Schließlich bin ich jeden Morgen zu ihm gegangen und habe ihm als aller erstes die Fernbedienung für den Fernseher auf den Kopf gelegt. Ist das nicht eindeutig genug gewesen?

Seit dem 15. September esse ich übrigens auch mit Gabel und Löffel. Obwohl ich es vorher nie probiert habe, bekomme ich das ausgesprochen gut hin - wenn ich will. Einbißchen Hilfe brauche ich zwar hin und wieder noch, aber ich bin unheimlich stolz darauf, wenn ich es selbst tun darf.

Wie bei meiner Schwester scheint ein Urlaub in Spanien ein Grund für neue Sprachfortschritte zu sein: leer, weiter, Feuerwehr, ein Bär und Lö(w)e, Badewanne, Tür auf sind Worte die durchaus bei mir zu hören sind. "Gugge mal" und "Bauarbeiter" sind meine Lieblingsausrufe. In meinem Urlaubsort kannte ich jede Baustelle und war von jedem "Bagger" und Kran begeistert.

Weniger begeistert war ich ja zu erst von Wasser. Ich war noch keine Stunde in unserem Urlaubsdomizil angekommen, da fiel ich ins Schwimmbad. Meine Schwester, die große Heldin meines Lebens, packte mich an meinem Hemdchen als ich aus den Tiefen des Wasser wieder hochkam und zog mich soweit aus dem Wasser heraus, dass ich jedenfalls mit dem halben Oberkörper rücklings auf den Steinen lag. Während ich vor Schreck und Kälte schrie, rief meine "Baba" "Zieh, Marlene, Zieh!"

Als wir mich und Baba beruhigt hatten, konnten wir sogar wieder lachen. Mensch, bin ich glücklich, dass ich ne große Schwester habe, die auf mich aufpasst!

Ich bin zwar danach nicht mehr ins Schwimmbad gegangen - es war mir mit seinen 21° C einfach zu kalt, aber dafür bin ich nach größeren Gezeter ins Meer gegangen. Das war nämlich wesentlich wärmer als das Schwimmbadwasser und so viele "brummbrumm"-s waren da zu sehen.

Ja, mich gibt es auch noch. Obwohl es jetzt schon Dezember ist, gibt es dennoch nicht viel von mir zu berichten. Ich gehe so meinen Weg und naja, das mit dem Sprechen ist eben nicht so mein Ding. Ich verstehe alles, aber wozu soll ich mir beim Sprechen Mühe geben? Meine Schwester redet schon so viel, das reicht doch. Wenn ich etwas will, bekomme ich es auf alle Fälle. Mama meint, ich würde sogar teilweise ganze Sätze sprechen, man müsste nur genau zu hören. Ich finde sie hat damit absolut recht! *grins*

Ansonsten bin ich eigentlich ganz Fideler. Mir geht es gut. Ich genieße das Leben und wenn ich lache, dann lacht alles mit: Ohren, Augen, Mund und Nase.... wer kann mir da noch widerstehen?

Im Januar 2006 habe ich mich entschieden - ja, ich gebe zu, mit sanfter Gewalt meiner Eltern, die einfach auf mein "Hä?" nicht mehr reagierten. -, doch etwas an meiner sprachlichen Ausdrucksfähigkeit zu arbeiten: Mein Wortschatz beruht jetzt auf folgende Worte: Kran, Bus, PKW, LkW, Zu(g),Kran-ken-wa-gen. Müll(auto), Mimi [=Mini], Brummbrumm [= alle Fahrzeuge, die nicht konkrete Namen haben],  Mil(ch), Bitte, Bröt-chen, Brezel, anmach(en), Tür, zu, mit, Ti(s)ch, mit-dir, gucke-mal, auch, weiter, ha-ben, Bau(ch), Popo, Pipi, Kaki, Kika, Mama/Mami, Papa/Papi, Baba, Ma/Mama [= Marlene], Apfel [=Apfelsaftschorle], Was-ser, Fe(n)s(t)er, Pa [= Lampe], Nein, Aua [= geht nicht, tut weh, macht nicht das, was ich will], T(sch)üss, Ia/Ai [= Esel], Wauwau [= Hund], ein Bär, Lö(w)e, Hü [= Pferd] - aber über allem steht immer noch das große "HÄ?!"

Ende Januar bin ich ja dann ganz plötzlich umgezogen. Es war eigentlich gar kein Problem, ich habe recht schnell erstanden, dass hier etwas passiert, was auch mich betrifft. Schon allein, dass Mama, Papa, Marlene und ich Marlenes Zimmer aufräumen mussten. Alles wurde umgepackt und neu sortiert. (Ich finde es ja blöd, weil jetzt kann ich gar nicht mehr so leicht Unordnung schaffen!) Und dann kam da ein neues Bett rein, wo sich Marlene sofort häuslich einrichtete. Ja, da war ja klar, dass das Hochbett freiwurde und als Mama dann meine Kuscheltiere reinlegte, dann wollte ich auch gar nicht mehr in mein Gitterbett zurück. Ich schlafe gerne in dem neuen Bett, Mittagsschlaf geht ganz ohne Probleme, wenn Mama keine Zeit hat mich reinzulegen, dann gehe ich eben selbst, mache meine Tür zu und kuschele mich richtig in meine Bettdecke ein. Ja, Türen öffnen und schließen kann ich seit Silvester. Ich bin jetzt 86cm groß, da kommt man die Klinken richtig gut dran.

Anfang Februar bekomme ich eine heftige Magen-Darm-Grippe. Mir geht es so schlecht, dass ich nach 4 Tagen ins Krankenhaus muss, um eine Infusion zu bekommen. Da legen sie dir einen Schlauch in den Handrücken und binden den ganz fest um die Hand. Ich fand es ganz blöd. Mama war bei mir und hat mich abgelenkt und beschäftigt, weil es mir irgendwann, als es mir besser ging und ich auch realisierte, dass ich aus dem Bett so schnell nicht aufstehen kann, mir es ganz fürchterlich langweilig wurde. Aber Papa kam und hat mir mein Buch "Alle meine Fahrzeuge", Zottel und Lars (eigentlich heißt er ja Karl, aber irgendwie wurde er umgetauft im Laufe der Zeit) gebracht, das war schon ein ganz großer Trost. Papa hat sich sogar bei mir angesteckt und lag selbst 24 Stunden im Bett und das ganz alleine, weil Mama bei mir auf in der Infektionsstation war und Marlene bei Omi untergebracht worden war. Der Arme! Ich war ganz doll froh, als wir nach 36 Stunden wieder entlassen wurden und nach Hause gehen durften. Vor Freude habe ich auch zum ersten Mal meine Schwester mit Marlene begrüßt. Ich habe es ganz deutlich gesagt und sie hat sich ganz besonders darüber gefreut. Jetzt bin ich 90 cm groß und wiege nur noch 11,2 kg. Ich sehe schon arg dünn aus, aber mein Hunger ist zurückgekommen und ich esse und esse so viel ich kann.

Meine Taufeinladungen sind draußen und ich bin ganz begeistert. Ich habe eine gefunden und mit der renne ich jetzt dauernd durch die Wohnung, weil da Thomas drauf ist. Immerzu frage ich Mama ob es ein Zu und ein Bis ist. Naja, an meiner Aussprache muss ich eben noch etwas üben.

Ich habe wieder mit dem Schwimmen angefangen. Jetzt bei Steffi, wo Marlene ihr Seepferdchen gemacht hat. Zur Überraschung meiner Mama habe ich bei meiner ersten Schwimmstunde richtig Spaß gehabt und sofort mich mit den Schwimmflügelchen auf Erkundungstour begeben. Ich bin sogar vom Beckenrand ins Wasser gesprungen. Es war wirklich klasse, nur habe ich vom hohen Chlorgehalt einen richtig roten Ausschlag bekommen, der zum Glück beim Duschen gleich wieder wegging. Mama hat mich danach auch gut eingefettet, so dass die Haut nicht ausgetrocknet ist. Dennoch war die zweite Schwimmstunde dann nicht mehr so harmonisch. Wir haben lauter neue Sachen gemacht: ich musste über Matten klettern und durch den Schlauch krabbeln und über eine Rutschbahn rutschen... das war mir dann alles zu viel. Aber wie ich eben so bin, ich schreie erstmal richtig fies und wenn es vorbei ist, lache ich schon wieder. Eigentlich wollte ich auch gar nicht raus aus dem Wasser, aber es war dann doch zu kalt. Und es gibt nichts schlimmeres als kaltes Wasser! 

 
 

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Copyright © Kestenbaum, Stand: 13. Oktober 2009